60 Jahre und kein bisschen leise – Die Jugendoffiziere feiern Geburtstag

Warum hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag und im Weißbuch für die Arbeit der Jugendoffiziere geworben? Ein Berliner Jugendoffizier hatte die Gelegenheit, der Bundeskanzlerin diese Frage zu stellen. Hier ist die Antwort von Angela Merkel:

Weil wir für Akzeptanz und Verständnis der Arbeit der Bundeswehr werben wollen. Viele Menschen wissen nicht ausreichend Bescheid, und deshalb machen die Jugendoffiziere eine ganz, ganz wichtige Arbeit. Die Bundeswehr rekrutiert sich jetzt aus freiwillig Wehrdienstleistenden, das heißt es ist noch wichtiger, über die Arbeit der Bundeswehr zu informieren. Ich kann aus meiner Kenntnis sagen: Es ist eine tolle Truppe!“

60 Jahre ist es nun her, dass diese „tolle Truppe“ ins Leben gerufen wurde. Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, General Adolf Heusinger, unterzeichnete am 8. September 1958 in Bonn den Befehl zur Einrichtung von Lehrgängen über „Jugendarbeit in der Praxis“ und schuf den Begriff „Jugendoffizier“.

General Adolf Heusinger war der erste Generalinspekteur der Bundeswehr. Vor 60 Jahren rief er den Tätigkeitsbegriff „Jugendoffizier“ ins Leben

Berater in Verteidigungsfragen

Die Rahmenbedingungen waren damals ganz andere als heute: Zwei Jahre zuvor, nur elf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, war die allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt wurden. Eine politische Entscheidung, die in der Gesellschaft durchaus kontrovers diskutiert wurde. Konsequenterweise leitete Heusinger aus dieser Situation einen politischen Bildungsauftrag für die Jugendoffiziere ab: „Es kommt vor allem darauf an, Verteidigungsfragen in sachlicher Form mit der Jugend zu diskutieren und ihr bei der staatspolitischen Bildungsarbeit als Berater in Verteidigungsfragen zur Verfügung zu stehen.“

In den Anfangsjahren galt es, die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und den Beitritt zur NATO in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das war keine leichte Aufgabe, war das Bild des Militärs doch überwiegend von der Wehrmacht des Dritten Reiches geprägt. Dieses Bild führte zu zahlreichen Vorurteilen gegenüber den Angehörigen der noch jungen Bundeswehr. Hier mussten die Jugendoffiziere ansetzen und verdeutlichen, dass die Wehrpflichtarmee eines demokratischen Rechtsstaates anderen Werten verpflichtet ist und auch anders funktioniert. Nur so konnte die Bundeswehr allmählich den breiten Rückhalt in der Gesellschaft gewinnen, den sie dringend benötigte, um als Institution anerkannt zu werden.

 

Mauerbau und Kuba-Krise: Die 60er Jahre

Die 60er Jahre gingen als Krisenjahre in die Geschichte ein. Mauerbau und Kuba-Krise verschärften die nach dem Krieg eingeleitete Zweiteilung der Welt in Ost und West. Es formierte sich eine Außerparlamentarische Opposition, die der Staatsgewalt – damals noch vielfach geprägt von Vertretern der alten Ordnung – ablehnend gegenüberstanden. Radikale Systemveränderer machten es den Jugendoffizieren nicht leicht, die neue Rolle der Bundeswehr glaubhaft darzustellen.

Der Gegensatz zwischen Ost und West wurde vor allem im Gegenspiel von westlicher NATO und dem vom Ostblock initiierten Warschauer Vertrag deutlich. Das Wettrüsten auf beiden Seiten und insbesondere die Atomwaffen, die die menschliche Existenz insgesamt bedrohten, stellten die Jugendoffiziere in den Folgejahren vor große Herausforderungen. Höhepunkt war der NATO-Doppelbeschluss im Jahr 1979, der zu breiten, mit großem Engagement geführten sicherheitspolitischen Debatten führte, im Ergebnis jedoch das Ende des Kalten Krieges einläutete.

Im Gespräch mit dem damaligen Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan: Weiterbildungstagung für hauptamtliche Jugendoffiziere. Informationen aus erster Hand sind für die Ausbildung der Referenten von hohem Wert.

Glasnost und Perestroika führten zu einer Annäherung der Systeme und letztlich zur deutschen Wiedervereinigung. Teile der  Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR wurden auf freiwilliger Basis  in die Bundeswehr aufgenommen, die Armee der Einheit entstand. Damit wurde eine ganz neue Frage diskutiert: Wozu überhaupt noch Streitkräfte, wenn es doch keinen sichtbaren Feind mehr gibt?

In den 90er Jahren begann der allmähliche Wandel der Bundeswehr zur Einsatzarmee. Von Anfang an hatte sich die Bundeswehr weltweit an humanitären Hilfsaktionen beteiligt. Nun kamen robustere Einsätze hinzu, zuerst in Bosnien, dann im Kosovo und später der langjährige Einsatz in Afghanistan. Die Jugendoffiziere waren nun gefragt, um zu erläutern, warum die Bundeswehr sich jenseits von Landes- und Bündnisverteidigung weltweit in Konflikten, Krisen und Kriegen engagierte.

 

Afghanistan, die Krim, Syrien und Irak:

Das neue Jahrtausend

Im neuen Jahrtausend ist es nicht ruhiger geworden. Neue Konflikte und neue Einsatzgebiete sind hinzugekommen. Die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Krim durch Russland rückte die Landesverteidigung wieder ins Blickfeld, die viele Menschen schon nicht mehr bewusst waren.

didacta 2017: Jugendoffiziere spielen mit einer Schülergruppe Pol&IS im Rahmen der Bildungsmesse in Stuttgart

Die Bürgerkriege in Syrien und Irak mit internationaler Beteiligung, der internationale Terrorismus und die Auswirkungen der gegenwärtigen US-Präsidentschaft auf die bilateralen, transatlantischen und internationalen Beziehungen sind die Themen, mit denen sich die Jugendoffiziere aktuell auseinandersetzen. In 2017 erreichten sie mit 5.743 Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen, Informationsveranstaltungen und Besuchen bei der Truppe 157.205 Personen – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Das Angebot der Jugendoffiziere richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Studierende und Multiplikatoren aller Art. Die Zeiten haben sich geändert, doch der Auftrag der Jugendoffiziere ist geblieben: Öffentlichkeitsarbeit und politische Bildungsarbeit zu Sicherheitspolitik und zu Auftrag und Aufgaben der Bundeswehr zu betreiben. Seit 60 Jahren machen die Jugendoffiziere ein offenes, solides und dialogorientiertes Angebot an alle Interessenten, egal wie sie zur Bundeswehr stehen, ein Angebot, das sich bewährt hat und Bestand haben wird.

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