Auf den Spuren der Deutsch-Französischen Freundschaft

Vor exakt 100 Jahren tobte mitten in Europa der Erste Weltkrieg. Die Schlacht von Verdun war zwar mittlerweile vorüber, doch nun wurde in der dritten Flandernoffensive erneut erbittert gekämpft. Nach mehreren Monaten konnten die Alliierten endlich das belgische Dorf Passendale aus den Händen des Deutschen Reiches befreien.

Die französische Erinnerungskultur beschäftigt sich intensiv, viel mehr noch als in Deutschland, mit den Geschehnissen der Zeit von 1914-1918. So stößt man auch in der Hauptstadt von Frankreich, in Paris, welches das Ziel einer Seminarfahrt des Jugendoffiziers Husum mit der Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein Anfang Oktober gewesen ist, auf zahlreiche Orte des Erinnerns. Unter dem weltberühmten Arc de Triomphe liegt beispielsweise das Grabmal des unbekannten Soldaten, welches an alle nicht namentlich identifizierten Soldaten, die während des Grande Guerre ihr Leben ließen, erinnern soll.

Arc de Triomphe, Paris (Foto: Harro Rhenius)

Der Fokus der Seminarfahrt war zwar nicht die historische Perspektive der deutsch-französischen Beziehungen, allerdings war diese besondere Verbindung der beiden Nachbarstaaten ständig spürbar. Nichtsdestotrotz wollten wir uns vielmehr das Verhältnis der beiden Staaten sowohl aus bilateraler, als auch aus einer europäischen Perspektive erarbeiten. Die Außen- und Sicherheitspolitik spielte neben wichtigen Aspekten der Bildungspolitik, die sich nicht ausklammern lässt, wenn man mit 32 Lehrkräften unterwegs ist, die wesentliche Rolle.

Das Herz der Seminarfahrt bildete daher auch der Empfang an der École Millitaire. Hier wurden wir von einem deutschen Verbindungsoffizier empfangen, der uns eindrucksvoll die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Kultur der deutschen und der französischen Stabsoffizierausbildung vor Augen führte. An dieser Darstellung konnten wir gut ablesen, was es bedeutet, wenn der französische Präsident Emmanuel Macron bei seiner Rede an der Sorbonne am 26.09.2017 von einer gemeinsamen strategischen Kultur spricht, die es erst noch zu schaffen gilt. Ebenfalls an der École Militaire erhielten wir eine Vorstellung über die Arbeit des Militärattachéstabs an der deutschen Botschaft. Die Komplexität der Aufgaben der Soldatinnen und Soldaten, die für die Berichterstattung über die französische Militärpolitik zuständig und gleichzeitig wichtiger Ansprechpartner für die französische Seite in Fragen über die deutschen Streitkräfte sind, wurde in einer Präsentation des deutschen Luftwaffenattachés überdeutlich. Abgerundet wurde der Besuch durch den Input eines externen Referenten, der für die mitgereisten Lehrkräfte über die Charakteristika des französischen Bildungssystems berichtete.

Gruppenfoto an der École Militaire vor dem Eiffelturm, Paris (Foto: Harro Rhenius)

Neben kulturellen Highlights wie dem Invalidendom mit dem Grabmal Napoleons und dem Schloss Versailles standen noch Gespräche mit einer Repräsentantin der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie dem Goethe-Institut und der Heinrich-Böll-Stiftung auf dem Terminplan. Gerade letzterer konnte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs vor dem Hintergrund einer europäischen Integration hervorragend herausarbeiten. Die Chancen und Hürden einer vertieften Zusammenarbeit im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik dieser beiden Länder wurden in all ihrer Deutlichkeit klar umrissen.

Paris als Ziel einer Seminarreise ist für uns Jugendoffiziere ebenso wie für die Gruppen von besonderer Bedeutung. Die deutsch-französischen Beziehungen, gepaart mit einer Vielzahl von internationalen Organisationen machen diesen Ort so besonders. Die Reise, auch wenn die Anfahrt aus Schleswig-Holstein sehr lang war, wird sicherlich allen Beteiligten in sehr guter Erinnerung bleiben.

Danny Greulich, Jugendoffizier Husum

Eiffelturm, Paris (Foto: Danny Greulich)Invalidendom, Paris (Foto: Danny Greulich)

Invalidendom, Paris (Foto: Danny Greulich)

Blick in den Schlossgarten von Versailles (Foto: Danny Greulich)