POL&IS in Mazar-e Sharif

Mazar-e Sharif – Einmal Weltpolitik gestalten. Das Planspiel Politik und Internationale Sicherheit (POL&IS) macht es möglich. Unter Anleitung der Jugendoffiziere der Bundeswehr schlüpfen die Teilnehmer in die Rollen von Politikern und erleben Sicherheitspolitik in der Praxis. Das Ziel: Globale Probleme diskutieren und Konflikte gemeinsam lösen. Was in Deutschland bei Schülern und Studenten gut ankommt, hat nun eine Premiere erfahren: Zum ersten Mal haben Jugendoffiziere in ihrer eigentlichen Funktion an einem Auslandseinsatz teilgenommen und mit afghanischen Studenten ein POL&IS im Camp Marmal bei Mazar-e Sharif durchgeführt.

Eine Premiere für die Jugendoffiziere

Die Jugendoffiziere mit Ursula von der Leyen

Die Jugendoffiziere mit Ursula von der Leyen

Für die drei Jugendoffiziere aus Frankfurt, Stuttgart und Lüneburg ist das Projekt alles andere als Routine, schließlich wurde ein POL&IS noch nie in einem Einsatzgebiet durchgeführt. Neben organisatorischen Herausforderungen müssen vor allem inhaltliche Punkte abgestimmt werden. Für welche Themen interessieren sich die Studenten? Wie kann die Sprachbarriere überbrückt werden und wird es kulturelle Barrieren geben? Fragen, die die drei Spielleiter auf ihrem achtstündigen Flug intensiv diskutieren.

Nach der Ankunft wird mit Unterstützung des Kontingents die Simulation vorbereitet. Zufrieden blickt Hauptmann Lammel, Jugendoffizier aus Frankfurt, auf die Räumlichkeiten: „Die Unterstützung der Kameraden hier vor Ort ist großartig. Mit der Rückendeckung können wir uns voll auf unsere Arbeit konzentrieren.“ Zeit zum Ausruhen bleibt dennoch nicht. Einen Tag später kommt schon der Bus mit den Studenten. Erwartungsvolle Blicke auf beiden Seiten. Doch bei einem gemeinsamen Mittagessen kommt man sich schnell näher. Dann geht es Schlag auf Schlag, die Studenten werden in ihre Rollen eingewiesen und die Regeln mit Hilfe von Sprachmittlern erklärt. Die Simulation ist komplex und die Zeit knapp, aber alle sind mit Eifer dabei und freuen sich darauf, loszulegen.

POL&IS macht’s möglich – Die erste Generalsekretärin der UN kommt aus Afghanistan

Dann ist es soweit. Die frischgebackenen Politiker halten ihre ersten Reden. Eine besonders wichtige Funktion übernimmt eine Studentin in der Rolle der UN-Generalsekretärin. Mit fester Stimme und diplomatischen Geschick füllt sie ihre Rolle aus und übernimmt ganz selbstverständlich die Führungsrolle unter ihren Kommilitonen. Mit viel Herzblut wirbt sie für eine Lösung des Syrienkonflikts, der auch in der Simulation behandelt wird. Für die Studenten, die in ihrem eigenen Land bereits mit Krieg und Gewalt konfrontiert wurden, ist schnell klar: Das Blutvergießen muss beendet werden. Einstimmig wird eine Resolution verabschiedet, um den Konflikt zu lösen. Hauptmann Nötte, Jugendoffizier aus Stuttgart, ist sichtlich beeindruckt: „Ich habe schon viele POL&IS-Simulationen durchgeführt, aber so eine starke Rede habe ich von Seminarteilnehmern bisher selten gehört.“

Gegenseitiges Verständnis fördern und voneinander lernen

Auch bei der Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, stößt das Projekt auf Interesse. Im Rahmen ihres Truppenbesuchs in Afghanistan lässt sie es sich nicht nehmen, ihre „Amtskollegen“ persönlich zu begrüßen. Schnell entwickelt sich eine Unterhaltung zwischen der echten Politikerin und den Studenten, die ohne Berührungsängste ihre Fragen der Ministerin stellen. Am Ende des Tages zeigt sich Ursula von der Leyen in ihrer Rede vor den deutschen Einsatzsoldaten bewegt von der Begegnung.  „Wenn man in diese jungen und offenen Gesichter schaut, dann weiß ich ganz ganz tief im Innersten, dass dieses Land, dass diese Jugend in den letzten Jahren auch gerade durch unseren Einsatz etwas gewonnen hat, an Bildung, an Überzeugung, an Zukunftsvisionen, die ihnen nie wieder jemand nehmen kann.“

Doch nicht nur die Studenten profitieren von der Begegnung. Als sich nach einer Woche die Wege der Jugendoffiziere und „ihrer“ Studenten erst einmal trennen, haben beide Seiten voneinander gelernt. „Die Welt aus der Perspektive afghanischer Studenten zu sehen, hat auch meine eigene Weltsicht verändert. Ich habe viel über dieses Land gelernt. Ich hoffe, dass ich diese Eindrücke in meinen Vorträgen in Deutschland weitergeben kann“, fasst der Lüneburger Jugendoffizier, Hauptmann Weber, seine Erfahrungen zusammen.

Autor: Christian Weber