Einmal über den Atlantik…

Einmal über den Atlantik - Die Ausbildungsreise der Jugendoffiziere in die USAVom 04.10.-17.10.2015 absolvierten die 21 neuen Jugendoffiziere des Jahrgangs 2015 die 28. Auslandsausbildungsreise in die Vereinigten Staaten von Amerika. Ziel der jährlich stattfindenden Reise ist der Abschluss der mehrere Lehrgänge umfassenden Ausbildung eines Jugendoffiziers. Durch den Aufenthalt in den USA sollen sicherheitspolitische Zusammenhänge der transatlantischen Partnerschaft vor allem aus der amerikanischen Perspektive erfahren und somit die Weltsicht des wichtigsten Verbündeten besser verstanden werden. Die Jugendoffiziere knüpfen hier wichtige Kontakte unddiskutieren mit hochrangigen Vertretern der Institutionen über aktuelle politische Herausforderungen.

Oberleutnant Danny Greulich – seit 2015 Jugendoffizier in Husum – hat die Reise begleitet und schildert seine Erfahrungen:

Washington D.C.

Neben den Besuchen und Gesprächen bei zentralen politischen Institutionen wie dem Pentagon, dem State Department und dem Kapitol hat mich in der Hauptstadt der USA vor allem der Vergleich von zwei außen- und sicherheitspolitischen Think Tanks fasziniert. Grundlagen über die Arbeit solcher „Denkfabriken“, in denen durch die Veröffentlichung von Forschungsberichten zum Teil maßgeblich auf die Politik Einfluss genommen wird, konnte ich bereits in Vorbereitung auf diese Reise in Deutschland durch Besuche bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik sowie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik erleben. Vor Ort in Washington D.C. wurden meine bisherigen Erkenntnisse durch den Besuch beim Center for Strategic and International Studies sowie der Heritage Foundation deutlich erweitert. Erst durch dieses Erlebnis ist mir vollends bewusst geworden, welche enorme politische Macht diese einflussreichen politikberatenden Organisationen haben. Es gilt jedoch immer zu beachten: wer sich umfangreich mit sicherheitspolitischen Themen beschäftigt, kommt zwar an den inhaltlich umfassenden Analysen dieser Institutionen nicht vorbei, die politische Grundhaltung der verschiedenen Think Tanks sollte man sich allerdings vorher klar vor Augen führen.

New York

The city that never sleeps – für mich als Husumer Jugendoffizier in mehrfacher Art und Weise eine völlig andere Welt. Während in Washington D.C. die nationale Sichtweise auf politische und militärische Konfliktfelder im Vordergrund stand, erlebe ich nun hier eine ganz andere Perspektive. Am meisten beeindruckt hat mich hier ohne Frage der Besuch des Hauptsitzes der Vereinten Nationen. An dem Ort zu sein, wo über friedenserhaltende, aber auch über friedenserzwingende Einsätze der Vereinten Nationen entschieden wird, hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Bei dem Gedanken an die Atmosphäre des Sitzungssaals des VN-Sicherheitsrats jagt es mir noch heute einen Schauer über den Rücken. Einen ähnlich nachhallenden Eindruck hinterließ bei mir die Schweigeminute der gesamten Delegation am 9/11-Memorial. An dem Ort, an dem sich vor über 14 Jahren der schrecklichste terroristische Anschlag auf die westliche Welt ereignete, steht mittlerweile ein Mahnmal, was jeden Besucher an diese schreckliche Tat und dessen Opfer erinnern soll.

Tampa

Den Abschluss der diesjährigen Ausbildungsreise bildete ein kurzer Aufenthalt in Tampa. Zwar ist die Metropole im Westen Floridas nicht so bekannt wie Washington D.C. oder New York, allerdings spielt diese Garnisonsstadt für das US-amerikanische Militär eine entscheidende Rolle. Das United States Central Command (US CENTCOM) und das United States Special Operations Command (US SOCOM) haben für den Einsatz der US-Streitkräfte im Ausland jeweils eine wichtige Bedeutung. Das US CENTCOM zeichnet als Regionalkommando für den Nahen Osten, Zentral-Asien und Ostafrika verantwortlich. Somit umfasst das Zuständigkeitsgebiet dieses Kommandos die größten Konfliktregionen der heutigen Zeit. Das US SOCOM hingegen ist das übergeordnete Kommando sämtlicher militärischer Spezialkräfte der USA. Durch ehrliche Vorträge auf Augenhöhe habe ich nach dem Besuch in Tampa eine umfassende Sicht des US-amerikanischen Militärs auf aktuelle Konflikte bekommen. Die Perspektiven von politischen Entscheidungsträgern, Think Tanks und Nichtregierungsorganisationen wurden somit auf der letzten Etappe der Reise komplettiert.
Zurück in Deutschland bin ich glücklich und dankbar, an der diesjährigen Auslandsausbildungsreise teilgenommen zu haben. Durch Gespräche mit einer Vielzahl von militärischen Experten und politischen Entscheidungsträgern hat sich mein Blick auf die USA geschärft. Ich verstehe nun Entscheidungen, die jenseits des Atlantiks bei einem der wichtigsten militärischen Verbündeten der Bundesrepublik Deutschland getroffen werden, viel besser. Dies erlaubt mir in zukünftigen Diskussionen und Gesprächen meine persönliche Sichtweise auf verteidigungs- und sicherheitspolitische Themen mit zusätzlichem Hintergrundwissen zu unterfüttern.

Oberleutnant Danny Greulich
Jugendoffizier Husum