Erinnerung und Versöhnung 1916 – 2016

Die Seminargruppe vor dem BeinhausEssen/Verdun – Am 29. Mai fanden in Verdun im Beisein von Angela Merkel und Francois Hollande die zentralen Gedenkfeierlichkeiten zur 100. Jährung der größten Schlacht des Ersten Weltkriegs statt. Doch schon eine Woche vorher machte sich eine Gruppe Essener Schüler (unter Leitung der Jugendoffiziere aus Hilden und Augustdorf) auf, die Schlachtfelder zu erkunden…

Über Umwege nach Frankreich

Es ist der frühe Morgen des 23.05.2016 als 60 Schüler der bischöflichen Realschule am Stoppenberg aus Essen einen Bus besteigen, um tief in die eruropäische Geschichte einzutauchen. „Es ist unser erstes Seminar mit der Bundeswehr, ich bin sehr gespannt, was uns erwartet.“, sagt eine der mitreisenden Lehrerinnen. Auch einige Schüler sind noch unsicher, für viele ist es der erste Kontakt mit Soldaten überhaupt.

Doch die Berührungsängste werden schnell abgebaut. Schon im Bus kommt man ins Gespräch und dann ist der erste Programmpunkt ein Besuch beim Luftwaffenausbildungsregiment in Germersheim. An den Stationen, wo sonst Infanteristen der Luftwaffe auf ihre Einsätze vorbereitet werden, dürfen nun Schüler den Schießsimulator, die die Riot-Control-Ausrüstung oder die Fahrzeuge des Verbandes inspizieren. Frau Oberleutnant Frauendorf, die durch die Kaserne führt, kommt mit dem Beantworten der Fragen kaum hinterher. Mit den Worten „Eine wirklich aufgeweckte Gruppe, es hat mir sehr viel Spaß gemacht“ verabschiedet sie am Nachmittag die Reisegruppe auf ihrem weiteren Weg nach Frankreich, die danach ihre Unterkunft in einer Kaserne in Karlsruhe bezieht.

Zweiter Tag – Führung über das Schlachtfeld

Am Morgen des 24.05.2016 geht es weiter nach Verdun, wo die Schüler von der Fremdenführerin Frau Ferrand begrüßt werden. Es folgt eine Fahrt zum Beinhaus nahe des ehemaligen Ortes Douamont, in dem die Gebeine von 130.000 Gefallenen beigesetzt sind. Zusammen mit dem kaum zu überblickenden Meer von Kreuzen auf dem Gräberfeld bietet sich für die sichtlich bewegten Schüler ein imposanter Anblick.

Mittlerweile hat sich auch ein Radionjournalist zur Gruppe gesellt, der erst Frau Ferrand zu ihrer deutsch-französischen Familiengeschichte und dann die beiden Jugendoffiziere zu ihrer Arbeit befragt. Gemeinsam geht man zum Fort Douaumont, das als strategisch wichtiges Ziel im Laufe der Schlacht 1916 mehrmals von deutschen und französischen Truppen erobert wurde.

Hier gedenken die Schüler der Gefallenen aller Nationen, indem sie erst Fürbitten verlesen und danach Kerzen anzünden. Gerade im Fort Douaumont spielten sich  unter meterdickem Beton schlimme Szenen ab, beispielsweise starben allein 650 deutsche Soldaten bei der Explosion eines Munitionsdepots.

Die Führung über das Schlachtfeld dauert fast den ganzen Tag. Auch 100 Jahr nach der Schlacht sind die Verwüstungen, die vom Artelleriefeuer angerichtet wurden, noch überall zu sehen. Einschlagskrater, Schützengräben und zerstörte Ortschaften findet man auf dem gesamten Gelände, dessen Ausmaße man nur begreift, wenn man mit dem Bus umher fährt.

Letzter Tag – und wieder „unter Tage“

Nach der Übernachtung in einer rustikalen französischen Jugendherberge steht der letzte Programmpunkt auf dem Plan: die Erkundung der unterirdischen Stollen im Hügel von Vauquois. Über fast drei Jahre lang haben deutsche und französische Pioniere hier gigantische Stollen in den Fels getrieben und große Teile des Hügels mit enormen Sprengstoffbeständen gesprengt. Etwa 10 Meter unter der Erde führt Frau Ferrand die Gruppe durch die Gänge und erzählt vom Leiden und Sterben der Soldaten unter der Erde. Zum Teil reichen die Stollen fast 60 Meter in die Tiefe und wurden von Hand gegraben.

Dann macht der Bus sich langsam auf den Weg zurück in die Heimat. „Hier haben wir nochmal ganz deutlich erfahren, dass sich Krieg in Europa nie wieder wiederholen darf“, sagt einer der Schüler, während er bei der Stadtausfahrt die Vorbereitungen für den zentralen Gedenktag beobachtet.