Mittendrin und live dabei

60 Jahre Jugendoffizier

„Mittendrin und live dabei“

Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum veranstalteten die Jugendoffiziere in Berlin ein Seminar für politisch interessierte Multiplikatoren aus Berlin und Brandenburg. In ihren Rollen als Staatschefs stellten sich die Teilnehmer den Herausforderungen des komplizierten und langwierigen Konflikts im Irak und Syrien und lernten dabei viel über die komplexen, globalen sicherheitspolitischen Herausforderungen

Einmal in der Zeit zurückgehen, den Verlauf der Geschichte ändern, und es besser machen als die Staatenlenker in der Vergangenheit. Das ist wohl nicht nur der Traum vieler Historiker.

Ausgangslage für die Simulation ist der Konflikt in Syrien und Irak im Jahr 2014. Nach dem Arabischen Frühling sah sich die Welt auch mit dem sog. Islamischen Staat auf dem Zenit seiner Macht konfrontiert. Aus dieser anspruchsvollen Lage haben die Jugendoffiziere ein „Konfliktplanspiel“ entwickelt.

Die Teilnehmenden übernahmen die Rollen der zentralen Akteure dieses Konflikts: von Staatschefs, der internationalen Presse und der Vereinten Nationen (VN). Sie begaben sich auf die geostrategischen, ethnischen und religiösen Ebenen des Konflikts und lernten dabei den Einfluss von Großmächten, Bürgerkriegsparteien und Terrororganisationen kennen. Kurz: sie waren mittendrin und live dabei.

„Ich erhoffe mir die Komplexität und die Zusammenhänge in dem Konflikt besser zu verstehen“, fasste Federico Miguel Koch, Student aus Berlin, seine Erwartungen an das Seminar zusammen. Mit einem Impulsvortrag zu den wesentlichen Hintergründen und Akteuren am Ausgangspunkt der Simulation Jahr 2014 gab Jugendoffizier Jan Czarnitzki bereits zu Beginn der Simulation einen ersten Überblick.

Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmer kurze Reden, in denen sie ihren Mitspielern ihre jeweilige Rolle und Position in dem Konflikt deutlich machten und erste Lösungsansätze anboten. Das Ziel der frisch ernannten Generalsekretärin wurde dabei sehr deutlich: „Erneut möchte ich daran erinnern, dass das oberste Ziel der Weltfrieden ist. So steht es in der Charta der VN geschrieben, die alle hier Anwesenden unterzeichnet haben.“

Mit diesen Worten leitete sie die Arbeitsphase ein. Jetzt ging es darum, Lösungen zu finden, Kompromisse zu schließen und die Region zu stabilisieren.

Der Link zum Reallife war ein Telefonat mit dem Pressesprecher der deutschen Ausbildungsmission im Irak. Mit ihm konnten die Teilnehmer ihre Ideen einem Realitätscheck unterziehen. Hauptmann Gerlach, der nach seinem Einsatz wieder als Jugendoffizier in Leipzig arbeiten wird, stellte kurz die Aufgaben der Mission vor und ging dann auf die Fragen der Runde ein. Dabei interessierte neben der aktuellen Sicherheitslage und der andauernden Regierungsbildung im Irak auch der Alltag der Soldaten vor Ort.

Nach diesen Eindrücken aus dem heißen Einsatzland entbrannten auch im VN-Sitzungssaal der Simulation hitzige Diskussionen. Unter Leitung der Generalsekretärin wurden konstruktive Vorschläge zur Lösung erarbeitet Neben einem Ansatz zur Zerschlagung der islamistischen Terrororganisation IS wurde eine anschließende VN-Stabilisierungsmissionen immer wahrscheinlicher.

Im Sicherheitsrat war abschließend Verhandlungsgeschick gefragt. Die völkerrechtlichen Grundlagen für ein mögliches Engagement einer internationalen Truppe im Irak und Syrien mussten mit den eigenen Interessen in Einklang gebracht werden. Die Abstimmung im VN-Sicherheitsrat fiel denkbar knapp aus.

Obwohl man sich darauf einigte, gemeinsam gegen den IS vorzugehen, blieben andere Probleme, wie der innerstaatliche Konflikt in Syrien, ungelöst. In seiner abschließenden Bewertung stellte Jugendoffizier David Ginster fest, dass die Simulation mit ihrem Ergebnis nahe bei den realen Entwicklungen des immer noch andauernden Konflikts liegt.

Aus Sicht der Teilnehmer war das Planspiel „Lernen mit Spaß“. Miguel Koch, für einen Tag Regierungschef der USA, sagte anschließend: „Ich kann den Konflikt jetzt besser verstehen.“, Auch für die Jugendoffiziere war der Tag mit den jungen Politikern, Lehrern und Referendaren spannend und nützlich zugleich. Das Feedback der engagierten und kreativen Teilnehmer vom Fach können sie sehr gut für die Weiterentwicklung des Planspiels nutzen und somit die Attraktivität ihres Angebots weiter steigern.

 

Autor & Bildquelle: Jan Czarnitzki