Seminarfahrt mit Jugendoffizieren und der Friedrich-Alexander-Universität nach Polen

Die Rolle Polens bei der Bewältigung europäischer Herausforderungen

Eine Seminarfahrt mit der Friedrich-Alexander-Universität –

Die Seminarteilnehmer*innen, Student*innen und Dozent*innen der Friedrich-Alexander-Universität, konnten unter der Leitung der Jugendoffiziere aus Bamberg und Augsburg, Hauptmann Marius Alois Erbrich sowie Hauptmann Christian Schicht, Politik und Völkerverständigung eine Woche lang hautnah erleben.

– Tag 1 –      Lohnender Umweg über Berlin: Im Gespräch mit einem Jetpiloten

Als Auftakt wurde den Teilnehmer*innen die

Auch aktuell beteiligt sich Deutschland in den baltischen Staaten aktiv daran, den NATO-Luftraum zu überwachen

Gelegenheit geboten, im Luftwaffenkommando in Berlin mit einem ehemaligen F4-Piloten über die Sicherstellung der staatlichen Souveränität im Luftraum zu sprechen, dem sogenannten Air Policing.

Das Air Policing ist ein Beispiel nahtloser internationaler Aufgaben der NATO-Partner – die militärische Zusammenarbeit funktioniert dabei ausgezeichnet. Dabei kommen auch Flugzeuge der QRA (Quick Reaction Alert) zu Einsatz.


– Tag 2 –      Hochwertreferenten in Polens Hauptstadt: Die deutsche Botschaft in Warschau

In Warschau angekommen, wurden den Studierenden die Türen der deutschen Botschaft geöffnet. Hochwertige Referenten, unter ihnen der stv. Verteidigungsattaché, sprachen mit den Teilnehmern über polnische Geschichte, ihren Nationalstolz und über das Herzogtum Litauen, über ein vergangenes, ein großes Polen. Nach mehreren Kriegen scheint das Land nun im Umbruch zu sein, seit Jahren entwickelt sich Polen nicht zuletzt durch massive Unterstützung der Europäischen Union zu einem immer wichtigeren wirtschaftlichen und politischen Partnerland – und doch stehen viele Polen der europäischen Politik kritisch gegenüber, wie sich derzeit durch die Regierung durch  die PiS-Partei („Recht und Gerechtigkeit“) zeigt.

Nach einer kurzen Pause ging es für die Studierenden zum Parlament Sejm. Dort erhielten sie eine Führung durch das Parlamentsgebäude und den Plenarsaal. Anschließend sprachen und diskutierten sie mit einem Abgeordneten der Oppositionspartei PO („Bürgerforum“) und konnten so in Erfahrung bringen, wie schwer es sein wird die Rechtsstaatlichkeit wieder aufzubauen und die Demokratie (sowie die politische Teilhabe der Menschen) wieder zu beleben; zeitgleich wurde darüber diskutiert,wie stark die Hauptaufgabe der Opposition, die Regierung zu kontrollieren und zu kritisieren, bereits behindert wird.

Anschließend wurde die polnische Hauptstadt und das politische Zentrum Polens besichtigt.


– Tag 3 –      Im Gespräch mit dem polnischen Verteidigungsministerium

Für den nächsten Morgen war im Vorfeld durch die Jugendoffiziere ein Treffen mit einem Referenten des polnischen Verteidigungsministeriums organisiert. Der Vortrag fand im Klub des Garnisionskommandos (Klub Dowództwa Garnizonu Warszawa) statt und handelte von Befürchtungen der polnischen Regierung im Bezug auf Russland. So konnten die Teilnehmer in Erfahrung bringen, dass in Polen russische Staatsgrenzen (im Bezug auf Kaliningrad) als viel näher und bedrohlicher erachtet werden, als sie es im deutschen Verständnis sind. Insbesondere in Bezug auf die Zapad17-Übung in Weißrussland, welche als Verteidigungsübung vor einem möglichen NATO-Angriff das russische Militär auf den Ernstfall vorbereiten soll. Die NATO befürchtet vor allem, dass Russland Truppen und Gegenstände auch militärischen Ursprungs über Weißrussland, Litauen und/oder Polen transportiert, was das Völkerrecht brechen würde. Sehr großes Interesse seitens der Studierenden bestand vor allem darin, die Medaille der Entwicklungen umzukehren und genauer zu hinterfragen, inwieweit die NATO-Osterweiterung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Zeitpunkt der Wende in Deutschland 1989 und dem Zerfall der UdSSR 1991 Spannungen aufkommen lässt, wie stark militärische Organisationen mit Befehlshabern und Regierungen das Wahrheitsmonopol besitzen und die Meinungen für sich beanspruchen. Diese kontroverse und kritische Auseinandersetzung ist es, die solche Termine besonders beleben, die im Grunde genommen Aufgabe jeden Staatsbürgers ist, der Garant für funktionierende Demokratie und Mittel gegen Populismus.

Nach einer Mittagspause wurde die Gazeta Wyborcza, ein Medienbüro in Warschau, welches als regierungskritische Zeitschrift und Medium auch in die Schusslinie der PiS geraten ist besucht.  Hier erhielten die Studenten einen Überblick wie stark auch Medienvertreter zur Sicherheitspolitik beitragen und wie Journalisten in ihrer Arbeit behindert werden, vor allem wenn es darum geht andere Blickwinkel auf Regierungsaktivitäten zu veröffentlichen. Der Leiter des außenpolitischen Ressorts erklärte lebhaft, wo und wie Regierungsgegner mundtot gemacht werden. Beispielsweise, dass an Verkaufsständen ihre Zeitung nur selten zum Kauf angeboten wird und wenn versteckt hinter anderen Zeitungen und Medien, so dass sie nur sehr schwer zu finden sind.


– Tag 4 –      Die deutsch-polnische Beziehung

Am nächsten Tag besuchten die Teilnehmer die Konrad Adenauer Stiftung in Warschau und nahmen an einer ehrlichen und offenen Gesprächsrunde von Herr Piotr Womela und Herr Michael Quaas teil. Dieser Vortrag handelte von den Deutsch-Polnischen Beziehungen, sowohl zivilgesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Der Aspekt, ob Polen ein verlässlicher Partner war, wurde genauer beleuchtet. Dabei wurde auch besprochen, dass die PiS die Europäische Wertegemeinschaft als „Joch“ für das polnische Volk darstellt, von dem es sich zu befreien gilt. Eine Befreiung eben dieses „Jochs“ würde jedoch zu Kürzungen der Unterstützung durch die EU nach sich ziehen und diese Kürzungen würden insbesondere die eher ländliche Bevölkerung treffen – Die Sanktionen würden in letzter Konsequenz das Meinungsbild über Europa sehr wahrscheinlich noch verschlechtern und Kritiker stärken. In Bezug auf Deutschland wurde der Gruppe jedoch versichert, dass die Beziehungen der Länder vor allem an der Grenze gut sind und sich stetig verbessern.

Nach diesem Seminarteil erfolgte die Überfahrt nach Krakau, der Abend diente den Studenten in Gemeinschaft die schöne Altstadt zu erkunden.


– Tag 5 –      Die Wirtschaftsuniversität zu Krakau: Deutschland wichtigster Handelspartner

Der Freitag begann zunächst mit einer deutschsprachigen historischen Stadtführung durch die  beeindruckende Altstadt Krakaus.

Nach dem Mittag ging es zur Cracow University of Economics. In drei englischsprachigen Vorträgen erfuhren die Studenten mehr über die wirtschaftliche Lage in Polen, die Handelsbeziehungen zu Deutschland und auch der Entwicklung Polens im Vergleich zu anderen EU-Staaten sowie Nachbarländern. Die Vorträge waren wissenschaftlich fundiert und haben einige interessante Argumente für Diskussionen geliefert. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass, nicht etwa die USA der wichtigste Handelspartner ist sondern Deutschland und das obwohl die USA -rein politisch betrachtet-  z.Zt. deutlich mehr Gewicht in Polen hat.

Anschließend erfolgte beim gemeinsamen Abendessen die Reflektion des Seminars.


– Tag 6 –      Gedenken am Ort unsagbaren Leids. Auschwitz-Birkenau.

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ist ein Schreckensbild der Nazi-Herrschaft

Am letzten Tag fuhren die Teilnehmer weiter nach Auschwitz, wo sie das Vernichtungslager von Nazi-Deutschland auf polnischem Staatsgebiet besuchten. Vor Ort erhielten sie eine Führung in englischer Sprache durch Auschwitz und anschließend auch durch Birkenau. Die Führung war informativ und gut organisiert, auch versuchte sie die Antworten auf all unsere Fragen zu finden.

Mit diesem Programmpunkt endete das offizielle Programm der Exkursion.

Alle Teilnehmer empfanden die Woche als informativ, lehrreich, gut organisiert und haben die Exkursion als wertvoll und empfehlenswert eingestuft. Durch die ständige Verfügbarkeit der beiden Jugendoffiziere konnten gute und tiefgreifende sicherheitspolitische Diskussionen entstehen, die teils auch innerhalb der Gruppe weitergeführt wurden. Auch die Rolle Deutschlands als einerseits starker Partner, aber auch als europäisch führendes Gewicht stand immer wieder zur Debatte. Die Rolle und der Zustand der Bundeswehr als glaubwürdiges und vor allem einsatzbereites Instrument der Abschreckung standen dabei ebenfalls häufig zur Debatte. Vor Allem nach dem Vortrag des Vertreters des polnischen Verteidigungsministeriums.

Hier finden Sie eine Seminarbeschreibung aus Sicht der Teilnehmer:

http://www.didsoz.ewf.uni-erlangen.de/internationalisierung/exkursion-nach-polen.shtml

 

Autoren: M. Erbrich, E. Lodwig
Fotografien: © M. Erbich