Schüler des Anton-Bruckner-Gymnasiums Straubing machen Weltpolitik

„Saudi-Arabien braucht Agrarprodukte! Dringend! Biete dafür Rohstoffe und Energie!“ „Wer hat noch Industrie?“ So – oder so ähnlich – klangen die Rufe der Wirtschaftsminister und – ministerinnen während der internationalen Handelsphasen des Weltwirtschaftsforums vom 24.07. – 26.07.2019 im Kolpinghaus in Lambach im Bayerischen Wald. Erbittert wurde um jeden Dollar und jedes Industrieprodukt verhandelt – allerdings waren nicht etwa die „echten“ Wirtschaftsminister der einzelnen Regionen am Werke; für drei Tage schlüpften 37 Schüler und Schülerinnen des Anton-Bruckner-Gymnasiums Straubing und 6 Schüler des Augustinus-Gymnasiums Weiden im Zuge des Planspiels POL&IS in die Rolle der Politiker.

Dabei waren natürlich nicht nur die Rollen als Wirtschaftsminister zu vergeben: Jede der insgesamt 13 Regionen benötigte einen Staatschef, der die Richtlinien der Politik vorgab und Verträge abschloss, einen Staatsminister, dessen Aufgabe die innere und äußere Sicherheit der jeweiligen Region war, dem eingangs bereits erwähnten Wirtschaftsminister, der dafür sorgen musste, dass der Mindestlebensstandard der einzelnen Länder erhalten blieb. Die Oppositionschefs sahen den Regionen vor allem umweltpolitisch auf die Finger, um sich für eventuelle Neuwahlen in Stellung zu bringen.

Aber auch die Vereinten Nationen, die Weltbank, die Weltpresse und mehrere NGO´s (Non-Gouvernmental-Organizations) wie „Greenpeace“ oder „amnesty international“ waren mit von der Partie.

Jedes Spieljahr der von Jugendoffizieren der Bundeswehr, Hauptmann Schedlbauer und Hauptmann Klages, durchgeführten Simulation bot den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Möglichkeiten des politischen Handelns: Es konnten Wirtschaftsverträge, Militärabkommen oder Entwicklungshilfe mit anderen Ländern vereinbart werden, die Industrie des Landes wollte angekurbelt sein; zudem mussten genügend Nahrungsmittel für die Bevölkerung bereitgestellt werden – ansonsten drohten schnell Streiks! Aber auch die Umwelt durfte nicht vernachlässigt werden, durch einen immer größer werdenden Müllberg litt das gesamte Weltklima mit Auswirkungen auf die Agrarproduktion, was den Wirtschaftsministern wiederum nicht geringes Kopfzerbrechen bereitete.

Höhepunkt und Abschluss jedes POL&IS-Jahres war dann die UN-Generalversammlung: Alle Regierungen mussten ihre Regierungsprogramme vor der UN-Versammlung rechtfertigen und waren dabei oft bohrenden Fragen der Weltpresse und anderer Regierungen ausgesetzt. Am Ende stand dann die Bilanz: Hatten die Regierungen erfolgreich gewirtschaftet, gab es keine Probleme konnten diese Länder mit einigen Boni in das neue POL&IS-Jahr gehen, konnten die Regierungen ihre Vorgaben jedoch  nicht erfüllen, dann drohte Abwanderung (Japan, Asien), die Ausbildung einer Guerilla (Südamerika) oder Bürgerkrieg (Afrika) – was sich natürlich negativ auf die Planung des nächsten Jahres auswirkte.

Ziel des Planspiels war es, den sich sehr engagiert zeigenden Schülerinnen und Schülern auf zwar spielerischem, aber doch recht realitätsnahem Weg die komplexen Beziehungen und Verflechtungen der internationalen Politik zu verdeutlichen, sowie für eine Sensibilisierung gegenüber dem hochbrisanten Thema der Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung – es war erstaunlich, in welch geringer Zeit der „Weltmüllberg“ zu riesiger Höhe anwuchs – zu sorgen. Laut der abschließend durchgeführten Evaluation und der durchweg positiven Resonanz der Schüler kann dieses Ziel auch als erreicht angesehen werden.

Text:
Jana Negelen
Studienrätin und Oberstleutnant d.R.